15.07.2010 16:58 Uhr | Joella | 1594 Aufrufe
0
0
Kolumne | Gamer sind Kellerkinder - Interview mit Garry Leusch von gamona
Passend zu diesem Thema präsentiert Euch allvatar ein Interview mit Garry Leusch. Garry ist Geschäftsführer von gamona.de und selbst ein leidenschaftlicher Computerspieler, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat.
Nein nicht die Fischerchöre, sondern Luki und Garry von gamona
allvatar/Paytoon: In Verbindung mit Computerspielen fällt ja immer wieder der Begriff "Kellerkinder" und bringt oft eine heiße Diskussion mit sich. Wie siehst Du diese Sache?
gamona/Garry: Der Begriff ist absoluter Unsinn. Natürlich gibt es diese "Kellerkinder". Die, die ihre sozialen Umfelder verlieren und auch sonst irgendwie labil sind und nur im Netz hängen. Aber das ist doch wieder die Betrachtung von Einzelfällen und überhaupt nicht stellvertretend für die Mehrheit der Computerspieler. Ich kenne soviele Menschen und soviele Gamer, dabei ist nicht ein einziger Fall, den man als Kellerkind bezeichnen könnte. Das sind alles normale Menschen mit Beruf, mit Familie, mit Studium! Aber oft wird genau das Gegenteil vermittelt. Die Wahrnehmung von Computerspielern in der Öffentlichkeit ist eine absolute Katastrophe, weil viele Medien und viele sogenannte "Experten" falsche Eindrücke vermitteln. Sie picken sich besonders krasse Fälle heraus und unterstreichen ihre Meinung dann mit solchen Extrembeispielen.
Für mich sind also hauptsächlich die Medien an der falschen Darstellung von computerspielbegeisterten Menschen Schuld. Aber auch hier gilt: ich schere nicht alle über einen Kamm, aber ich nenne reichweitenstarke Plattformen wie Frontal 21, sueddeutsche.de oder ähnliches. Wie oft bekomme ich selber Anfragen von Redakteuren solcher Publikationen, ob ich denn nicht bitte mit einer bestimmten Art "Spielertyp" weiterhelfen könnte! Nach einigen Nachfragen zeigt sich dann immer wieder, dass lediglich ein Klischee bedient werden soll. Ich lehne fast immer ab, ich unterstütze das nicht.
allvatar/Paytoon: Welches MMORPG/Game spielst Du und seit wie lange?
gamona/Garry: Ich habe mit Ultima Online angefangen im Jahre 1998 und habe dann Everquest gespielt. Schließlich kam World of Warcraft auf den Markt und ich habe damit noch während der Betaphase im Jahre 2004 angefangen. Ich spiele es bis heute, aber nicht mehr so oft, denn ich möchte auch noch andere Spiele sehen und genießen.
allvatar/Paytoon: Was glaubst Du warum es seine Faszination immer noch nicht verloren hat?
gamona/Garry: Das liegt nicht am Spiel selber, sondern an der Community. Es sind die Menschen und die Freunde, die man gefunden hat und die einen immer wieder dazu bringen, gemeinsam loszuziehen. Natürlich ist WoW ein tolles Spiel, aber Red Dead Redemption auf PS3 ist auch ein tolles Spiel. Der Punkt ist, dass WoW so groß ist und man daher entsprechend schnell Anschluss hat und Leute kennt. Und diesen Kontakt möchte man halt nicht missen - hmm, zumindest den Kontakt zu einigen wenigen nicht :).
allvatar/Paytoon: Wie vereinbarst Du zeitlich die virtuelle Welt mit Arbeit, Familie und Freunden?
gamona/Garry: Ich habe als Geschäftsführer von gamona.de das große Glück, dass ich mein Hobby und meinen Beruf verbinden konnte. Das bedeutet nun nicht, dass ich während eines normalen Arbeitstages Computerspielen könnte, dazu ist wirklich keine Zeit. Aber man ist dauerhaft am Thema dran, man informiert sich täglich oder man wird informiert. Insofern brauche ich mich in meiner Freizeit nicht mehr mit dieser Thematik aktiv beschäftigen und ich gehe lieber öfter mal ins Kino oder in eine Kneipe oder was auch immer.
allvatar/Paytoon: Hat es Deiner Meinung nach Dein Leben verändert? Wenn ja, inwiefern?
gamona/Garry: Natürlich hat es mein Leben verändert. Alleine, dass ich nicht nur passiv konsumieren wollte, sondern immer aktiv im Internet meine Leidenschaft mit anderen teilen wollte hat dazu geführt, dass ich mehr Zeit als andere in das Hobby gesteckt habe. Und als ich schließlich bei Blizzard arbeiten durfte war klar, dass ich meinen alten Beruf (Flugsicherungsdienst) nicht mehr ausüben würde. Hobby zum Beruf machen - das ist schönste, was es gibt, denn dann tut man seinen Job gerne. Ich kann nur jedem Menschen raten, genau das zu versuchen: man ist glücklicher und die Zeiten, in denen man auf die Uhr gesehen hat, wann denn endlich Feierabend ist, die sind dann auch endlich vorbei.
allvatar bedankt sich ganz herzlich für dieses Interview. Passend zu diesem Thema könnt Ihr HIER den Artikel "Gamer sind Kellerkinder - Klischee oder Realität?" lesen.
Zu diesem Artikel wurde noch einige Interviews mehr mit Spieler aus allen Altersschichten geführt. Diese bekommt Ihr in der kommenden Woche zu lesen. Ihr dürft gespannt sein.
0
0
Gäste Kommentare sind vorübergehend deaktiviert, werden aber demnächst wieder zur Verfügung stehen.
Wahre Worte!