20.07.2010 10:53 Uhr | Joella | 4796 Aufrufe
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Kolumne | Gamer sind Kellerkinder - Klischee oder Realität?
allvatar präsentiert Euch zum Thema GAMER SIND KELLERKINDER eine mehrwöchige Artikelstrecke, welche heute mit einer Kolumne beginnt.
Wir konnten Garry Leusch, Geschäftsführer von gamona.de, für ein Interview zu diesem Thema gewinnen, in dem er uns ein paar Fragen beanwortet.
Kellerkinder - Klischee oder Realität?
Sich als Gamer zu outen, führt oft zu der Aussage "Ach, Du bist auch so ein Kellerkind!" Ein Begriff, den die Computer-Spieler-Szene geprägt hat.
Das wohl bekannteste und über einen langen Zeitraum erfolgreichste MMORPG auf dem Spielemarkt
Nur stellt sich das Klischee eines blassen, arbeitslosen Teens oder Twens, der maximal noch für seine Vorlesungen/Unterricht aus dem Haus geht, in einem dunklen Raum mit vielen Monitoren, leeren Pizzaschachteln und aufgetürmten Energy-Drink-Dosen einen zeitlosen Zocker-Tagesablauf verbringt, als Wahrheit heraus? Oder ist die Wirklichkeit ganz anders?
Gibt es unter den Computer-Spielern auch ganz "normale" Leute? Was ist normal und was erwartet uns, wenn wir hinter die Kulissen eines Zockers sehen.
Es ist kein Geheimnis, dass der Großteil zwischen 14 bis 28 Jahren alt ist. Was natürlich auch daran liegt, dass die nach Schul-, Ausbildungs- und Uniabschluss zur Verfügung stehende Zeit einfach sehr gering wird und auch durch die, nun teils anstehende Familiengründung, diese mit anderen Prioritäten besetzt wird. Aktives Spielen in einem Massivly Multiplayer Online Roleplay Game benötigt viel Zeit, die klarerweise nicht jeder investieren kann oder will.
Gemeinschaftliches Raiden in World of Warcraft (PvE)
Aber kennen wir nicht alle Pärchen und Ehepaare, die ihre gemeinsame Freizeit am Rechner verbringen? Etwas unternehmen, was ihnen Spaß macht und die diese Freude gemeinsam teilen? Es gibt Nutzer aus allen Berufs- und Gesellschaftsschichten, die sich der virtuellen Welt hingeben. Es ist einfach eine neue Zeit, mit neuen Medien und Möglichkeiten.
Diese ganze virtuelle Welt abzulehnen und zu verteufeln ist der falsche Weg. Sensibel die Kinder und Jugend heranzuführen und ihnen eine gewisse Medienkompetenz zukommen zu lassen, damit sie der Falle der Spiel-Sucht eventuell nicht erliegen, ist der richtige Weg. In der heutigen Zeit kommt man nicht mehr um die Gamerszene herum, wenn man sich mit Computern beschäftigt und in der aktuellen Gesellschaft den Bits und Bytes versetzten Cosmos abzulehnen, kann nicht die Lösung sein.
Freizeitgestaltung früher - heute
Früher fütterte man seine Fantasie mit Büchern und Filmen, deren Handlung jedoch fest vorgeschrieben war und versank nächtelang in Krimis, Fantasie- oder Liebesromane, die oft nicht mehr viel mit der Wirklichkeit zu hatten. Man konnte an dem Geschehen in der Geschichte nichts ändern und lies sich mit der Taschenlampe unter der Bettdecke von Buchstaben und Wörtern berieseln.
Das MMORPG des letzten Sommers, was leider nicht alles hielt, was es versprach.
Spielen war ein Begriff, den man mit Spielkarten und Brettspielen verband. Mehrere Personen trafen sich, um sich über einen gewissen Zeitraum gemeinschaftlich einer anderen Welt, z. B. der Welt von Scotland Yard, hinzugeben. Eben in eine andere Persönlichkeit zu schlüpfen und sich der gestellten Aufgabe gemeinschaftlich zu widmen. Man lachte, sprach und stritt miteinander und oft vergaß man die Zeit und wünschte sich das nächste Wochenende wäre schon wieder da, um eine weitere Pokerrunde mit den Freunden zu starten.
Traurig blickte man auf die Uhr und ärgerte sich, nicht weitermachen zu können, denn das verlorene Geld hätte man sicher wieder reingeholt… das Blatt war gerade so gut. Ist es bei MMORPG´s anders? Wir treffen uns regelmäßig mit Freunden, wenn auch virtuell und über Voice, verbringen Zeit mit Ihnen, stellen uns gemeinschaftlich Aufgaben, lachen, streiten und freuen uns mit den oft neu gefundenen Bekanntschaften. Nicht selten kommt es vor, dass sich langjährige Kontakte und nicht selten sogar Lebenspartnerschaften RL= Reallife = wirklichen Leben daraus entwickeln.
Festungsraid mit vielen hunderten Spielern
Computerspiele - Werkzeug des Teufels oder eher der Zinnsoldat der heutigen Gesellschaft?
Hört sich ja alles halb so schlimm an. Nur wie in allen Bereichen, die Spaß machen gilt: Konsumiere es in Maßen. Wer schon einmal im Casino - die Hochburg des Erwachsenen-Spiels - war, weiß wie schnell man die Zeit und den Bezug verliert. Wieder und wieder setzt man dort sogar bares Geld und erliegt mit glitzernden Augen dem Rausch des Gewinnens, Verlierens und des damit verbundenen Adrenalinschubs, wenn die weiße Kugel am Roulette-Tisch ihre letzten Kreise zieht und am Ende die Entscheidung über Jubel oder Verlust bringt. Spiele waren immer schon da. Seit frühester Menschheit findet Mann und Frau Gefallen daran, sich zu messen und mit anderen Menschen gemeinschaftlich zu lachen und mitzufiebern, wer gewinnt.
Atlantica Online, ein kostenfreies MMORPG
Diese Gefahr ist in den MMORPG´s natürlich mehr gegeben. Man muss dazu nicht einmal aus dem Haus gehen. Man schlüpft in einen Charakter und kann egal mit welcher Vorgeschichte im wirklichen Leben sich beweisen. Jeder kann sich selbst dort neu und optimal ohne Doppelkinn, dickem Bauch, wenig Haaren, jedoch phantastisch märchenhaften Fähigkeiten, erfinden. Man erarbeitet sich Respekt von anderen Mitspielern und hat einen sicheren Hafen, wo man sich ohne Alltagssorgen zurückziehen kann.
Nun kommt der Knackpunkt, es ist in den Games einfacher als im echten Leben erfolgreich zu sein und so verlagern viele ihren Ehrgeiz ingame und vergessen, was nun wichtiger und das richtige Leben ist. Verlieren Raum und Zeit, Freunde, Arbeit und manchmal sogar Familie.
Kampfszene aus Atlantica Online
Klar findet man in dieser Welt weitab von reellen Sorgen, eine gewisse Familie und Freunde. Es gibt auch bestimmt sehr tiefe Freundschaften die sich daraus entwickeln, jedoch jeder hat es sicherlich schon mal erlebt "... aber wir bleiben in Kontakt!" und man hört nie wieder etwas von dem mal so innigen Freund. Die Online-Welt ist eine sehr schnelllebige und klarerweise auch anonyme Welt, in der oft nicht alles so ist wie es scheint... Wer kann es auch überprüfen was ich da erzähle? EINMAL möchte man erfolgreich, wichtig, von seiner Umgebung geschätzt sein und macht dann den Charakter, in den man geschlüpft ist, zu dieser gewünschten Person... viel einfacher als in der Wirklichkeit.
Der Mensch ist bekannt dafür, dass er immer alles besser, schneller und höher können will. Wir sind in einer Gesellschaft der Superlative und des permanenten Wettbewerbs groß geworden und somit besteht die Gefahr, das Maß der Dinge zu verlieren. Nicht nur im Bereich der Computerspiele.
Das muntere Treiben auf dem Markplatz in Rom, atlantica online
Extreme gibt es in allen Bereichen: Der Vater, der bis spät in die Nacht im Keller an seiner Spielzeugeisenbahn herumbastelt und die Ehefrau alleine oben, die die Familie über den Tag bringt. Der Jugendliche, der meint er müsst alle seine Kumpels an aufnehmbarer Alkoholmenge übertreffen und sich dann im Krankenhaus wiederfindet oder der Freund der jede freie Minute auf dem Fußballplatz verbringt und dessen Freundin sich überlegt, warum sie überhaupt mit ihm zusammen ist.
Was der Mensch nicht kennt und versteht ist Teufelswerk. Den Leuten gefällt es und sie verbringen Zeit damit... allesamt süchtig. Oh, ein Schüler rastet aus, der hatte bestimmt einen Shooter daheim auf dem Rechner und nur DESWEGEN ist die die grausame Tat passiert. Gewagte These, oder? ... dass es früher Kriegsspielzeug und Zinnsoldaten gab... aber das ist natürlich was anderes.
Somit schließe ich mit der Aussage „Sind wir nicht alle ein bisschen Nerd?" Jeder in seinem Bereich, auf seine Art und Weise ...
Passend zu diesem Thema hat allvatar den Geschäftsführer von gamona.de, Garry Leusch, interviewt.
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Wahre Worte!