Als Martin (26, Name auf Wunsch von der Redaktion geändert) im August 2006 in einem Bremer Computerspielehandel das Onlinespiel "World of Warcraft" kaufte, war ihm noch nicht bewußt, welche Rolle dieses Hobby in seinem Leben noch spielen sollte.
Das Silvesterfest zum Jahr 2000 sollte ein ganz besonderes sein. Der damals noch 17-jährige Bremer war auf dem Heimweg mit seinen besten Freunden. "Charlie hatte seinen Führerschein gerade fünf Monate und wir waren in dem Wagen seiner Mutter unterwegs: Sophie, Charlie, mein Bruder Markus und ich.". Auf der "Party des Jahrtausends" angekommen, feierten die vier Teenager ausgiebig, bevor sie gegen 3 Uhr Morgens den Heimweg antraten. "Charlie hatte nicht viel getrunken - zwei Bier und einen Sekt um Mitternacht, sonst wäre er auch nicht mehr gefahren. Vieleicht wäre das besser gewesen." erzählt Martin. "Auf der Fahrt waren wir alle in bester Laune. Das neue Jahrtausend sollte das geilste werden, das man sich vorstellen kann."
Die Träume endeten abrupt, als das ihnen entgegenkommende Fahrzeug auf ihre Spur fuhr und sie frontal rammte. "Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, was passiert ist. Ich weiß nur, was ich später durch die Ermittlungen erfahren habe.".
Der Unfallgegner war weniger vorsichtig mit dem Alkohol gewesen, als es Charlie gewesen war , und seine Leichtsinnigkeit kostete ihn und drei der Insassen von Martins Auto das Leben.
Noch wußte der Siebzehnjährige nichts von dem Schicksal seines Bruders und seiner besten Freunde und dies sollte nicht die einzige schlechte Nachricht sein.
Durch den Unfall waren einige seiner Wirbel gebrochen und die Splitter hatten sich in das Rückenmark gebohrt. Die Diagnose: Querschnittslähmung.
"Nach dem Abitur wollte ich Sportlehrer, Sportmediziner oder auf jeden Fall etwas im sportlichen Bereich machen. Ich selber spielte leidenschaftlich gerne jedwede Art von Ballspiel und war in unserem Sportkurs der erfolgreichste in der Schule."
Es folgten Monate im Krankenhaus und mehrere Operationen, um die Schäden die aus dem Autounfall resultierten, wieder zu reparieren. Die Beerdigungen seiner beiden Freunde und seines Bruders konnte er deshalb nicht besuchen. "Es ist ein merkwürdiges Gefühl, wenn Du im Krankenhaus liegst und diejenigen, die dir am nächsten sind, sind nicht mehr da. Und man fühlt sich irgendwie schuldig und fragt sich, warum man der einzige ist, der diesen Unfall überlebt hat. Manchmal habe ich mir gewünscht, ich wäre auch gestorben."
Neben der Behandlung für Martins Körper war auch eine Therapie beim Psychologen notwendig, um Martin auf sein zukünftiges Leben im Rollstuhl vorzubereiten.
Um sich die lange Zeit im Krankenhaus zu vertreiben, spielte er vermehrt Computerspiele auf dem Laptop seines Vaters und ließ sich dadurch zu einem neuen Studienwunsch (weit fort von seinen Sportlerträumen) inspirieren: Informatik.
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